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FTD .... DA weiss man was wir machen
Verfasst am: 07.10.2005, 18:04

http://www.ftd.de/index.html?id=25283

Portfolio: Tägliches Geschäft mit der Illusion
von Markus Zydra

Immer mehr Investoren tummeln sich an den globalen Börsen - und trotzdem haben die Kursschwankungen zugenommen. Das widerspricht der Theorie, denn je größer die Teilnehmerzahl ist, desto mehr Käufer und Verkäufer stehen sich gegenüber, was die Kurse glätten sollte.


Ein Händler an der New Yorker BörseDas Gegenteil ist der Fall: "Der Grund liegt darin, dass die Kurse kurzfristig nicht durch langfristig ökonomisch-kaufmännische Überlegungen getrieben werden, sondern durch Emotionen", sagt Gottfried Heller, Fondsmanager bei Fiduka.

Für einen ganz gewöhnlichen Börsentag heißt das: Der letzte Aktienpreis, den ein Investor an einen Verkäufer bezahlt, kann deutlich über oder unter dem realen Wert des Unternehmens liegen. "Die Börsenbewertung und der reale Wert einer Unternehmung haben oft wenig miteinander zu tun", sagt Sean Corrigan, Strategieberater der Zürcher Fondsgesellschaft Sage Capital. Börsenkurse seien mithin oftmals Wertillusionen.


Schöne neue Börsenwelt

Ein Blick zurück macht den Blick frei für die neue Börsenwelt. Eigentlich sollte die Aktienspekulation um die Frage kreisen, ob ein Geschäftsmodell erfolgreich ist oder nicht. Doch diesen Zweck erfüllt die Börse heute nicht mehr in erster Linie. "Früher waren Börsenhändler nichts anderes als Vermittler. Wollten sich Langzeitinvestoren von Aktien trennen, dann gaben sie es den Spezialisten, die eine Gebühr nahmen und das Paket später an den nächsten Langzeitinvestoren verkauften.

Die Balance hat sich heutzutage komplett verschoben. Die Kurzfristspekulanten machen die Kurse. Und da fragt dann niemand mehr, wie die betriebswirtschaftlichen Aussichten eines Unternehmens wie Ford für die nächsten fünf Jahre sind. All das ist unwichtig geworden", sagt Corrigan, der mit seiner Kritik auf das so genannte Momentum-Trading hinweist.

Dabei handelt sich um eine Art Jongliermechanismus im Aktiengeschäft. Die Kauf- und Verkaufsentscheidungen fallen ohne menschlichen Einfluss. Die Händler sitzen am Bildschirm, und das Softwareprogramm reagiert auf Preisbewegungen an den Börsen, um daraus Kaufsignale zu generieren. "Der Trend zum Momentum-Traden lässt die Kurse tiefer fallen oder höher steigen, als es früher der Fall war. Man entfernt sich da vom fairen Wert einer Aktie", sagt ein Frankfurter Aktienhändler, der anonym bleiben will.


Akteure kreieren eigene Kurse

Die Computerprogramme zur Aktienauswahl basieren auch auf der technischen Analyse. Diese Analyseart verzichtet vollständig auf die Berücksichtigung von Gewinnzahlen oder anderer Fundamentaldaten eines Unternehmens. Die Denkschule versucht ausschließlich zu antizipieren, welche Richtung die Masse der Anleger, mithin der Aktienkurs nimmt. Und diesen momentanen Schwung, ob nach unten oder oben, versuchen die Händler auszunutzen. "Nahezu alle Akteure sind zu Momentum-Playern geworden.

Der Computer zeigt Intraday-Kursveränderungen an, und dann springt jeder drauf, was die Kursausschläge verstärkt. Diese Akteure kreieren ihre eigenen Kurse", sagt der Händler. Aktien wandern dabei an einem Tag durch viele Hände. Zahlen der National Securities Clearing Corporation belegen das für den US-Markt: An jedem Tag werden normalerweise nur zwei bis drei Prozent der Aktiengeschäfte tatsächlich ausgeführt und bezahlt. Meist verrechnet man die Deals zwischen den Konten der Kurzfristspekulanten.

Natürlich ist es in diesem Umfeld möglich, dass sich ein Aktienkurs zu weit vom realen Wert entfernt. "Schließlich kann man durch Spekulation die Kurse nur kurzfristig in eine Richtung bewegen, aber nicht langfristig", sagt Heller. Anleger, die das erkennen, könnten günstige Papiere kaufen - wenn sie die Zeitfenster "kurzfristig" und "langfristig" korrekt identifizieren.


Aus der FTD vom 07.10.2005
© 2005 Financial Times Deutschland, © Illustration: AP

 
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Tags: kritik

 
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