Quelle: http://www.dradio.de/aod/html/?station=1&broadcast=9507&
Formel für die Börsen-Blase
Die Finanzkrise aus Sicht der Mathematik
Von Frank Grotelüschen
Mathematik. - Vorausgesehen hatte das Finanzdesaster an den Börsen offenbar niemand so recht. Weil bisherige Methoden für die Prognose finanzieller Extremereignisse versagten, entwickelte ein Experte der ETH Zürich ein neues Verfahren: eine Art Formel für die Börsen-Blase.
Mit den üblichen Statistik-Methoden ist die derzeitige Finanzkrise nicht mehr zu erfassen. Man kann getrost sagen: Mathematisch gesehen ist diese Finanzkrise ein Monster!
Extreme Krisen erfordern extreme Methoden - oder genauer gesagt: neue mathematische Methoden. Das jedenfalls glaubt Didier Sornette, Professor für Unternehmerische Risiken an der ETH Zürich. Die Analyseverfahren, mit denen man üblicherweise Finanzrisiken abschätzt, hält der gelernte Physiker für nur bedingt tauglich - zumindest in finanziellen Ausnahmezeiten.
Die Standardmethoden der Ökonomie gehen davon aus, dass auch die größten Blasen lediglich exponentiell wachsen. Exponentiell bedeutet, dass das Wachstum konstant ist - etwa wenn ich Geld zu einem festen Zinssatz von sagen wir fünf Prozent anlege. Doch wir haben nun festgestellt, dass eine Blase über-exponentiell wächst. Das wäre dasselbe, als wenn sich der Zinssatz von Jahr zu Jahr verdoppelt, erst fünf, dann zehn, dann 20 Prozent und so weiter. Also, das Wachstum einer Blase ist nicht konstant, sondern beschleunigt sich, und zwar rasant.
Theoretisch müsste sich dieses Wachstum dann bis ins Unendliche beschleunigen - was in der Praxis natürlich nicht sein kann. Genau deshalb muss jede Blase einmal enden - womöglich in einem saftigen Knall. Doch das alleine, sagt Sornette, genügt noch nicht, um die augenblickliche Monsterkrise zu verstehen.
Die Anfänge liegen 15 Jahre zurück. Damals, in den 90er Jahren, startete die Internetblase. Als sie Mitte 2000 platzte, begegneten Regierungen und Notenbanken der drohenden Rezession dadurch, dass sie die Kreditzinsen senkten. Das machte den Kauf von Immobilien attraktiv, und die nächste Blase begann, die Immobilienblase. Die Häuser stiegen im Preis, und da die Leute dachten, es würde immer so weitergehen, nahmen sie reihenweise Hypotheken auf ihre überbewerteten Häuser auf, um sich einen BMW zu leisten oder einen schönen Urlaub.
Das setzte die jüngste Blase in Gang - die Finanzblase. Als die dann platzte, stürzten die Banken in die Krise, und mit ihnen die Börsen in den Keller. Also: Blase folgte auf Blase folgte auf Blase - jede von ihnen größer als die vorangegangene. Ein sich selbst anheizendes System aus mathematischen Rückkopplungen, extrem komplex und hochgradig nichtlinear - und offenbar alles andere als nachhaltig, meint Sornette. Nur: Mit den üblichen Methoden konnten die Finanzexperten nicht erkennen, ob sich das System in einem kritischen Zustand befand oder nicht. Und genau deshalb hatten sie die Entwicklung viel zu lange für gesund gehalten und die Risiken unterschätzt.
Alan Greenspan, der ehemalige Chef der US-Notenbank, ist der Meinung, man könne eine Blase erst dann erkennen, wenn sie geplatzt ist. Ich halte das für falsch. Denn wir haben jetzt mathematische Diagnosemethoden entwickelt, mit denen sich eine Blase schon während ihres Entstehens erkennen lässt, und zwar an Hand der überschießenden Wachstumsraten. Und unsere Modelle sind sogar in der Lage, den Höhepunkt der Blase bis auf zwei oder drei Monate genau vorherzusagen.
Zwei bis drei Monate - damit dürften Börsenmakler, die von Tag zu Tag agieren, zwar nur wenig anfangen können. Aber Politiker und Notenbanken könnten mögliche Risiken früher erkennen und dann gegensteuern, etwa mit ihrer Zinspolitik, meint Didier Sornette.
Bislang werden die Finanzdebatten von Meinungen und politischen Erklärungen dominiert. Doch wenn wir Wissenschaftler jetzt eindeutige Zahlen und nachprüfbare Aussagen anbieten, wird es hoffentlich einen Fortschritt in der Debatte geben
Rossi
Anmeldedatum: 17.08.2005 Beiträge: 830
Verfasst am: 26.11.2008, 14:49
"Mein Eindruck ist jedenfalls, dass wir einen großen Kater erleiden und dass es eine Weile dauern wird, das System zu reinigen. Ich denke, dass das System bis nach 2009 leiden wird"
Die Regeln des Krieges
Physiker finden Universal-Formel für bewaffnete Konflikte
Von Frank Grotelüschen
Physik. - Kriege gelten als das Chaos schlechthin - unberechenbar, unvorhersehbar, zumeist auch undurchschaubar. Doch nun hat ein Physiker der Universität Miami unzählige Daten über Kriege gesammelt und mit speziellen mathematischen Methoden ausgewertet. Danach scheinen moderne Kriege doch regelhafter zu sein, als man denkt.
"Krieg - das klingt nach der chaotischsten und ungeordnetsten Sache, die der Mensch anstellen kann. Doch wir haben herausgefunden, dass dieselben mathematischen Gesetze, mit denen man zum Beispiel Aktienmärkte beschreiben kann, auch für Kriege gelten."
Neil Johnson ist Physikprofessor an der Universität Miami in Florida. An sich versucht er herauszufinden, welche mathematischen Gesetze hinter hochkomplexen Prozessen stecken - Prozesse wie der Aktienhandel oder die Ausbreitung von Epidemien. Doch dann kam ihm eine Idee: Vielleicht lassen sich mit denselben Methoden ja auch Gesetzmäßigkeiten entdecken, die bei Kriegen eine Rolle spielen und die den Konfliktforschern bislang verborgen blieben. Also machte sich Johnson an die Arbeit und analysierte unter anderem Medienberichte über Opferzahlen von Terroranschlägen und Bombenangriffen.
"Wir werteten die Zahlen aus zwei Kriegen aus: dem Irak-Krieg und dem Bürgerkrieg in Kolumbien, der schon seit Jahrzehnten tobt. Beide Konflikte sind sehr unterschiedlich: In Kolumbien bekämpfen sich Drogenmafia, marxistische Guerillakrieger und paramilitärische Einheiten in einem bergigen Gelände. Im Irak dagegen dominiert die Wüste, und es gibt Terroranschläge und Auseinandersetzungen zwischen religiösen Gruppen. Man sollte also nicht annehmen, dass diese beiden Kriege allzu viel gemein hätten."
Aber die Analyse enthüllte überraschende Parallelen. So ist das Zahlenverhältnis zwischen den Kampfhandlungen mit wenigen Opfern und den mit vielen Opfern im Irak und in Kolumbien annähernd gleich. Und: Dieses Verhältnis folgt nicht wie vermutet einer reinen Zufallsverteilung, sondern einem strikten mathematischem Gesetz, einem sogenannten Potenzgesetz. Die entsprechende Kurve lässt sich sowohl für den Irak als auch für Kolumbien mit einer simplen Zahl charakterisieren: 2,5.
"Und dann geschah das Bemerkenswerteste: Nachdem sich das Ergebnis ein wenig in der Fachwelt herumgesprochen hatten, schickten uns einige Soziologen ihre Daten, die sie von anderen Kriegen gesammelt hatten - im Senegal zum Beispiel in Peru oder Afghanistan. Und die Kurven aller dieser Kriege lagen in der Nähe dieses einen Werts: 2,5."
Offenbar ein universelles Merkmal, das die Konfliktforscher bislang übersehen hatten. Nur: Wie lässt es sich erklären? Nun, bei den meisten Kriegen steht eine reguläre Armee einer Gruppe von Aufständischen gegenüber, sagt Neil Johnson. Meist sind diese Aufständischen in kleine Gruppen zersplittert, die sich dann manchmal zu größeren Verbänden zusammenschließen. Dadurch kommt dann ein typisches Muster zustande: viele kleine Scharmützel mit wenigen Opfern, wenige große Auseinandersetzungen mit vielen Toten. Doch Johnson ging noch einen Schritt weiter und stellte sich eine durchaus heikle Frage: Was eigentlich bewirkt der Einsatz von Friedenstruppen wie den UN-Blauhelmen in seinem mathematischen Modell?
"Das Ergebnis war ziemlich überraschend. Ich war immer davon ausgegangen, dass es am effektivsten sei, wenn Friedenssoldaten in kleinen Gruppen agieren. In unserem Modell aber passiert dann folgendes: Die Friedenstruppen verkürzen einen Krieg nicht, sie verlängern ihn! Wir erklären uns das so: Kleine Blauhelm-Trupps sind zwar durchaus in der Lage, einzelne Kampfhandlungen zu unterbinden. Aber sie sind nicht stark genug, um die Konfliktparteien zu neutralisieren. Sie können sie also nicht davon abhalten, in Zukunft weiterzukämpfen."
Deshalb plädiert Johnson dafür, die Blauhelme nicht in viele kleine Gruppen aufzuteilen, sondern in einige wenige, dafür aber schlagkräftige Trupps. Eine These, die bei Militärstrategen und Konfliktforschern für Diskussionen sorgen dürfte.
Zuletzt bearbeitet von Rossi am 03.12.2008, 17:51, insgesamt einmal bearbeitet
OPTRADE_1
Anmeldedatum: 17.03.2008 Beiträge: 20
Verfasst am: 05.01.2009, 00:52
2,5 ist haargenau jener Faktor welcher IV zum fairen prozentualen OP-Preis ATM annualisiert wiederspiegelt(ohne Dividende und Zins). Habe irgendwie gestaunt... Welch Zufall ....???
Gruß OPTRADE _________________ Nichts Neues unter der Sonne...
wp
Anmeldedatum: 29.08.2005 Beiträge: 388
Verfasst am: 07.01.2009, 15:54
Ohne Worte
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Zuletzt bearbeitet von wp am 07.01.2009, 15:54, insgesamt einmal bearbeitet